
The Vision · Nepal · seit 2008
Aus einem
Importland
ein Exportland.
Acht der vierzehn Achttausender, fruchtbare Täler, friedliche und fleißige Menschen mit enormen handwerklichen Fähigkeiten – und trotzdem eines der ärmsten Länder der Welt. Wir finden, das soll sich ändern. Seit 2008 arbeiten wir daran: mit Handwerk, das seinen Preis wert ist.
I · Nepal
Soviel Potenzial —
und doch so arm.
Was Nepal hat, was ihm fehlt, und warum wir genau hier produzieren.
Nepal ist der durchschnittlich höchstgelegene Staat der Erde. Die beeindruckenden Berge des Himalaya machen das Land zum Ziel gut zahlender Touristen. Es gibt viele Flüsse, fruchtbare Täler, ab Mai Monsunregen. Die Menschen sind friedlich, belastbar und fleißig. Es besteht Schulpflicht. Soviel Potenzial!
Trotzdem will die Entwicklung nicht so richtig in Schwung kommen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt 1.355 Dollar, pro Jahr!. Die Analphabetenquote bei Frauen liegt noch immer bei 44 %. Nur jeder zweite Haushalt hat Zugang zu sauberem Wasser.
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Die Hälfte der Wälder ist abgeholzt. Subventionierte Lebensmittel aus China haben Nepal abhängig gemacht – selbst die Cashmereziegen sind aus dem Land verschwunden. Wirtschaftlich schwierig ist auch der fehlende Zugang zu den Weltmeeren. Nepal ist ein Importland. Das muss sich ändern.
Unsere Antwort darauf ist kein Hilfsprojekt, sondern ein Produkt: so schön und so gut gemacht, dass es in Europa neben den besten Cashmere-Labels besteht – und in Nepal Arbeitsplätze schafft, die bleiben. Dabei setzen wir auf Handarbeit, die in Europa keiner mehr bezahlen kann, und auf Materialien, die es hier so nicht gibt: Cashmere, Lotusseide, Kapok, Brennnessel, Hanf aus Nepal. Es gibt Rückschläge. Aber wir sind auf dem Weg.
Ineke Frohnhofen · Gründerin neyo. “Ein Pullover ist ein Arbeitsplatz. In einer industriellen Produktion sind 100 Pullover ein Arbeitsplatz.”
II · Das Handwerk
Wie ein neyo. entsteht.
Von der Ziege bis zum Messingring: fünf Schritte, alle von Hand, alle in Kathmandu. Wir zählen dabei in Tagen, nicht in Stunden.

Schritt 1 · Die Faser
Ausgekämmt, nicht geschoren.
Im Frühjahr wird den Cashmereziegen das feine Unterhaar ausgekämmt. Eine Ziege gibt etwa 200 Gramm im Jahr, für einen Pullover braucht es bis zu vier. Wir verwenden nur Fasern von höchstens 15,8 Mikron und mindestens 36 Millimetern Länge, die höchste Klasse, die es gibt.

Schritt 2 · Das Stricken
Drei Tage für einen Pullover.
Gestrickt wird auf Handstrickapparaten: eine einfache Technik, die keinen Strom braucht und in der Werkstatt bleibt. Pramila kennt jede Schraube und repariert sie seit 14 Jahren selbst. Ein neyo.-Pullover ist ein Drei-Tage-Objekt — darin liegt sein Wert.

Schritt 3 · Die Farbe
Bikendra mischt nach Gefühl.
Glasflaschen voller Farbpulver, Wände voller Farbe, Kessel über dem Feuer. Bikendra weiß vielleicht nicht, wie der richtige Grünton heißen muss — aber er weiß genau, in welchem Mischverhältnis man ihn auf jedes Material zaubert. Unfassbar schön, ihm dabei zuzusehen.

Schritt 4 · Das Färben
Die Hexenkessel brodeln.
In riesigen Kesseln werden über dem Feuer unsere zartesten Garne gefärbt. Mit Zeit und Geduld, sanft mit langen Stöcken im heißen Wasser hin und her geschaukelt. Die dunklen Farben länger als die hellen. Hier ist es, als tauche man in ein anderes Zeitalter ein.

Schritt 5 · Die Veredelung
Waschen, spannen, trocknen.
Erst nach dem Waschen zeigt die Faser ihre wahre Weichheit. Das Teil wird in Form gespannt und getrocknet — geduldig, ohne Schnelldurchlauf. Am Ende prüft Nirmala jede Masche. Wenn ein Fehler passiert, geht es zurück zum richtigen Ausgangspunkt.

Schritt 6 · Der Ring
Deepas Signatur.
Zum Schluss näht Deepa den handgeschmiedeten Messingring an – ein Stich auf 10 Uhr, einer auf 2 Uhr, einer so schön wie der andere. Und wer gestrickt hat, unterschreibt auf dem Hangtag. Jetzt ist es ein neyo.






III · Die Haltung
Mach es fair. Mach es leicht.
Mach es stabil.
Drei Entscheidungen, die neyo. von Anfang an geprägt haben — und die wir jeden Tag neu treffen.

Mach es fair.
Viele Menschen,
faire Löhne.
neyo. wählt Werkstätten, die mit wenig Technik und Invest, dafür mit möglichst vielen Menschen produzieren. Wir zahlen überdurchschnittlich hohe, aber immer angemessene Löhne und sorgen für stabile Arbeitsplätze – auf Augenhöhe. Absolut sind die Löhne niedrig. Genau das erlaubt, viele Menschen zu beschäftigen.

Mach es leicht.
Einfache Maschinen,
die bleiben.
Aus falsch verstandener Hilfsbereitschaft bekommt Nepal manchmal Industriemaschinen „geschenkt“, die auf dem Weltmarkt nicht mithalten, irgendwann ausländische Techniker brauchen und dann auf dem Müll landen. Wir setzen auf Handarbeit und einfache Maschinen, die selbst repariert werden können. Man muss nicht einmal lesen können, um sie zu bedienen. Und im Lockdown standen sie in den Wohnzimmern.

Mach es stabil.
Die Halle stand nicht mehr.
Die Arbeit ging weiter.
Nach dem Erdbeben 2015 war die Produktionshalle nicht mehr zu nutzen. Wir baten unsere Kund:innen um Bestellungen, die erst später geliefert wurden, damit das Geld für den Neubau sofort da war. Übergangslösungen wie diese gehören zu unserem Weg. Immer mit dem Ziel vor Augen: aus einem Entwicklungsland ein Schwellenland.
Liebe neyo.-Kundin,
lieber neyo.-Kunde,
vom Recycling und Upcycling kann Nepal nicht leben. Das Land braucht Produkte, die neu hergestellt werden und die so schön und außergewöhnlich sind, dass sie in einer Welt des Konsums noch auffallen und nachhaltig Begeisterung wecken. Daran arbeiten wir sehr eng mit unseren Werkstätten. Mit Menschen, die sich Zeit nehmen und mit Respekt vor den Gaben der Natur sehr präzise arbeiten.
Deshalb machen wir die Uhren der Mode-Industrie nicht mit. Kein Hamsterrad der Saisons. Ein Teil ist fertig, wenn es fertig ist – nicht, wenn ein Liefertermin es verlangt. Geduld, Wohlwollen, Zeit und Unterstützung sind in Nepal oft wichtiger als Geld. Oder wie man in Kathmandu sagt: bistarai, bistarai – langsam, langsam.
Und der Preis? Du kannst für einen Cashmerepullover viel mehr bezahlen und viel weniger. Aber wenn du viel weniger bezahlst, sind definitiv nicht alle im Kreislauf ausreichend geschützt: die Ziegen, der Boden, der Färber, das Wasser, die Strickerin. Der Ring an jedem Teil ist unser Symbol nach außen und unsere Verpflichtung nach innen. Wir versprechen dir: Wir bleiben so, wie wir heute sind.
Ineke Frohnhofen

Meet the Maker
Die Menschen,
die das alles machen.
35 Maker in Kathmandu: Jede Unterschrift auf einem Hangtag gehört einem von ihnen. Zu großen Teilen Frauen. Wer sie sind, was sie besonders macht und wie 2008 alles begann.


